11.05.2020: Überall wird geputzt und desinfiziert – doch die Reinigungsbranche kränkelt

Im Zuge der Coronavirus-Pandemie werden die Hygienestandards im Alltag erhöht. Die Einkaufwagen im Supermarkt werden nach jeder Benutzung desinfiziert und Klinken, Türgriffe und Bezahlsysteme regelmäßig(er) gereinigt. Dennoch kränkelt die Reinigungsbranche – ein Widerspruch? Mitnichten: Restaurants sind geschlossen, Büros kaum frequentiert und auch Privatpersonen verzichten derzeit zunehmend auf die Dienste externer Reinigungskräfte. Die Auftragslage bricht ein und das vermeintlich krisensichere Geschäftsmodell bröckelt. Der Einsatz von „Smart-Clean“-Technologien, die Etablierung nachhaltiger Reinigungsmethoden und neue Wege in der Kundenansprache und -gewinnung können helfen, das eigene Unternehmen für die Zeit nach der Coronavirus-Pandemie zu wappnen.

Leere Restaurants, Home-Office und Kurzarbeit

Wo sich bei den sommerlichen Temperaturen sonst Menschenmassen tummeln, herrscht aktuell gähnende Leere: Restaurants, Cafés und Eisdielen bieten ihre Speisen höchstens zum Liefern und Mitnehmen an, umfangreiche Grundreinigungen des Terrassenbereiches und die tägliche Reinigung der Fensterfronten entfallen somit. Und auch Privatpersonen verzichten derzeit auf den Dienst von Reinigungskräften. Die einstigen Kunden sind im Home-Office und übernehmen die Arbeiten selbst, sind aufgrund von Kurzarbeit von Gehaltseinbußen betroffen und müssen ihre Ausgaben einschränken oder haben schlichtweg Angst vor einer Ansteckung, wenn sie fremde Personen in die eigenen vier Wände lassen.

Und nun? 4 Gedanken für Unternehmer in der Reinigungsbranche

Die Reinigungsbranche ist den Wandel gewohnt. Wie kaum ein anderes Handwerk in Deutschland hat sie in den letzten 15 Jahren einen enormen Umbruch durchlebt. Die Coronavirus-Pandemie kann nun als Anlass genommen werden, das eigenen Geschäftsmodells auf den Prüfstand zu stellen und weiterzuentwickeln.

Daytime-Cleaning als reguläres Beschäftigungsmodell.

In den letzten Jahrzehnten prägten Teilzeit-Beschäftigungsverhältnisse das Bild der Reinigungsbranche – doch hier setzt bei vielen Unternehmen ein Umdenken ein. Um junge Nachwuchskräfte zu rekrutieren und zu binden wird vermehrt auf das Konzept des Daytime-Cleaning gesetzt, bei dem die Mitarbeiter in Vollzeit für das Unternehmen tätig sind. Positiver Nebeneffekt: Ganztägig arbeitende Reinigungsexperten werden für den Kunden sichtbarer. Mit der Zeit entsteht ein Vertrauensverhältnis, das die Wertschätzung der Arbeit durch den Kunden erhöht.

„Smart Cleaning“ – Einsatz moderner Technologien.

In privaten Haushalten sind Reinigungsroboter, die Böden saugen und wischen, keine Seltenheit mehr. Der Trend des Smart Cleaning geht jedoch weiter: Dank dem Internet der Dinge können die Reinigungsgeräte untereinander und mit dem Menschen kommunizieren. So können Sensoren in den Papierhandtuch- und Seifenspendern regelmäßig den Füllstand an die Reinigungskraft melden, die dank diesen Informationen ihren Trolley zu Schichtbeginn optimal bestücken und ihre „Putz-Route“ entsprechend planen kann. Ebenso können Sensoren die Anzahl von Personen im Toilettenbereich messen, um auf Grundlage der Daten gezielt Reinigungsprozesse zu initiieren. Und intelligente Mülleimer melden selbstständig, wann eine Leerung notwendig ist. Die nächste Stufe im Smart Cleaning sind Drohnen, die zur Reinigung von Fassaden, Fenstern und Dächern eingesetzt werden – erste Prototypen gibt es bereits.

Nachhaltigkeit als Kernelement des Geschäftsmodells.

In jeder Branche gewinnt das Thema Nachhaltigkeit an Bedeutung. Welchen Stellenwert hat die Nachhaltigkeit im eigenen Geschäftsmodell? Mikrobiologische Reiniger und moderne Scheuer-Saug-Maschinen mit innovativen Wasser-Recycling-Systemen helfen, nachhaltig zu arbeiten. Dadurch hebt sich das eigene Unternehmen von Wettbewerbern ab und zeigt den Kunden, dass aktuelle Trends erkannt und berücksichtigt werden.

Online-Kundenansprache und -betreuung:

Die Suche nach Reinigungsunternehmen erfolgt zumeist auf zwei Wegen: Einerseits holen sich Unternehmen und Privatpersonen Empfehlungen ein, andererseits suchen sie online nach Reinigungsunternehmen in der Region. Um auf dem zweiten Weg sichtbar zu sein, bedarf es einer modernen und responsiv gestalteten Online-Präsenz, auf der mögliche Interessenten das Unternehmen und die Leistungen kennenlernen. Unterschiedliche Kontaktwege wie E-Mail, Telefon, Chatbot und WhatsApp bieten den Kunden die Möglichkeit, Auftragsanfragen sofort und unkompliziert zu versenden.

Das eigene Geschäftsmodell auf die Probe stellen – trotz (oder dank) Corona

Die Coronavirus-Pandemie beschert vielen Unternehmen der Reinigungsbranche eine verminderte Auftragslage und Umsatzeinbußen. Oder anders betrachtet: Dank der Coronavirus-Pandemie sehen Unternehmer die Schwachstellen im Geschäftsmodell und spüren die Notwendigkeit, jetzt wichtige Weichenstellungen für die Zukunft vorzunehmen – für die Zeit nach der Krise.